Um die Teilnehmerzahl bei den Berliner Meisterschaften des Nachwuchses im quantitativ groß angewachsenen männlichen Nachwuchsbereich der unter 13jährigen eingrenzen zu können, sind vom Berliner Tischtennisverband vor zwei Jahren Qualifikationsturniere eingeführt worden. Während die Topspieler der U13 direkt für die Berliner Meisterschaften freigestellt sind, muss die große Mehrzahl durch Qualifikationsturniere, von denen es mehrere gibt. Die Regeln sind klar wie hart: Nur die acht besten eines Turniers (= Viertelfinale) qualifizieren sich für die Berliner Meisterschaft. Ebenso liegt es in der Natur der Turniere, dass es im ersten Turnier der Qualifikationsserie am schwierigsten ist, unter die ersten acht zu kommen. Denn ab dem zweiten fehlen dann schon einmal die zuvor Qualifizierten.
Den Auftakt der Quali-Serie machte wieder traditionell das Turnier in Heiligensee. Wie auch im vergangenen Jahr top vorbereitet und durchgeführt. Angesichts der Masse an Voranmeldungen (89 Jungen im U13 Bereich) bei nur 11 Tischen kann man vor dem Organisationstalent des Teams vor Ort nur den Hut ziehen. Am Ende erschienen von den 89 vorangemeldeten tatsächlich 80 Teilnehmer am Sonntagmorgen in der Halle. Ein riesiges Turnier stand bevor. Wenn man berücksichtigt, dass nur 22 Kinder an den Tischen parallel spielen können, kann man sich bei Jungs unter 13 gut vorstellen, dass neben den Tischen und bei leckeren Speise- und Getränkeangeboten am Imbissstand im Eingangsbereich – und dann auch in der Halle – mitunter so richtige Volksfeststimmung aufkam. Bei 80 Kindern, deren Betreuern und teils auch noch Familienangehörigen war die Halle wie auf einem Rummelplatz gefüllt. Denn der süße Duft von frischen Waffeln und anderen Leckereien durchzog die ganze Halle. Im Hintergrund zudem Gespräche der Berliner TT-Veteranen (nunmehr Trainer und Betreuer) über ihre in den vergangenen Jahrzehnten zumeist gewonnenen und unvergessenen Tischtennisschlachten.
Jonas und Konstantin aus unserer U15-Mannschaft, 12 und 9 Jahre alt und damit für das U13-Turnier spielberechtigt, wollten in diesem Jahr versuchen, ihre Konzentration auch vor dem Hintergrund dieser Spielumstände zu sammeln und möglichst weit kommen. Im Vorjahr hatte Jonas schon die Gruppenphase erfolgreich überstanden, Konstantin war hingegen noch sieglos in der Gruppe ausgeschieden. Weil Jonas seine Teilnahme noch absagen musste, fuhr Konstantin am Ende als einziger Hermsdorfer nach Heiligensee. An diesem langen Tag, der 10 Uhr mit der Hallenöffnung zum Einspielen begann und erst nach 18 Uhr endete, wurde er in Arbeitsteilung von Marco und Familie begleitet und gecoacht. Im Vergleich zu anderen Vereinen war die Hermsdorfer Delegation damit wohl die kleinste an diesem Tag.
GRUPPENPHASE: Los ging es in insgesamt 19 5er- und 4er-Gruppen. Konsti erwischte ein Vierergruppe. In dieser traf er zuerst auf Spieler aus den starken Nachwuchsabteilungen aus Siemensstadt und Heiligensee. Da Konsti im Ligabetrieb im U15er Bereich spielt, die meisten Teilnehmer aber noch in den U13er und U11er Ligen spielen, waren ihm seine ersten beiden Gruppengegner (wie fast alle Teilnehmer im Feld) unbekannt. Nur sein dritter Gruppengegner Henry vom DCTT (ebenfalls in U15-Ligen aktiv, in dieser Saison aber in der zweiten Liga, d. h. eine Liga höher als unsere Hermsdorfer) kannte er gut, hatte gegen ihn aber bislang nie gewonnen. Gegen den Nachwuchsspieler aus Siemensstadt gab es zu Beginn gleich einen 3-0 Sieg, wobei Konsti einen Satz sogar zu 0 gewann. Auch im zweiten Spiel gegen das Heiligenseer Talent gab es ein klares 3-0. Durch die Konstellation der anderen Partien reichte ein Satzgewinn gegen Henry im letzten Spiel zum Weiterkommen in die K.O.-Runde. Den holte sich Konsti gleich zu Beginn. Am Ende gewann er auch erstmals gegen Henry – in der Verlängerung des 5. Satzes. Das hieß: Gruppensieg mit 3-0 Siegen und 9-2 Sätzen vor dem Spieler aus Siemensstadt.
RUNDE DER LETZTEN 64 UND 32: Nachdem nach der Gruppenphase nunmehr die ersten ausgeschiedenen Spieler, deren Betreuer und Familien die Halle verließen, wurde es etwas ruhiger, passend dazu, dass die Spannung im Turnier stieg. Auch die Aufmerksamkeit der noch Anwesenden richtete sich zunehmend auf das Geschehen an den Tischen. Angesetzt waren immerhin noch 6 K.O.-Runden bis zum Finale. Für die Runde der letzten 64 erhielt Konsti als einer der besten Gruppenersten zunächst ein Freilos und war damit in der Runde der letzten 32. Für die erhoffte Qualifikation fehlten also noch zwei Siege. Das Freilos: Fluch und Segen zugleich. Einerseits Kraft schonen, andererseits muss die aus dem Freilos resultierende lange Wartezeit nicht immer förderlich sein, wenn man dann kalt an den Tisch muss gegen einen Spieler, der gerade gewonnen hat. Konsti traf so auch erst nach längerer Wartezeit auf einen Spieler aus dem Nachwuchs von Bergmann Borsig, der sich zuvor gegen eines der Talente aus dem Nachwuchs des TTC Neukölln durchgesetzt hatte. Alles in allem gewann Konsti auch dieses Spiel noch deutlich mit 3-0, weil er einfach sicherer und schneller als sein Gegner am Tisch agierte.
RUNDE DER LETZTEN 16 / ACHTELFINALE: Es folgte die entscheidende Runde für die Qualifikation. In der Halle merkte man dies deutlich. Überall nervöse junge Spieler. Anspannung auch auf Seiten der Betreuer. Punktgewinne in den Sätzen wurden von den Jungs an allen Tischen teils frenetisch bejubelt, das Klatschen und die Anfeuerungen aus den Betreuergruppen wurden laut(er). Auch Tränen flossen an dem einen oder anderen Tisch. Konsti musste nun an die Platte gegen Ekin aus dem starken jungen Nachwuchs des TTC Neukölln, der ebenfalls souverän seine Gruppe gewonnen und sich in der Runde zuvor klar durchgesetzt hatte. In einem sehr emotionalen, aber immer fairen Spiel von beiden Seiten, in dem jeder Ballwechsel zeigte, dass es jetzt um richtig etwas ging, gewann Konsti die ersten beiden Sätze relativ klar, bekam im dritten Satz bei deutlicher Führung dann aber kurz eine zittrige Hand, spielte zu vorsichtig und passiv, was Ekin sofort auszunutzen wusste. Am Ende ein sehr knapper Satzverlust. Im vierten Satz griff Konsti aber gleich wieder selbstbewusst und beherzt an, ließ seinem Gegner kaum noch Chancen und gewann deutlich. Großer Jubel. Die erhoffte, aber nach dem Turnier im letzten Jahr kaum erwartete Qualifikation war geglückt. Das Turnier gleichwohl war noch nicht beendet.
VIERTELFINALE: Die Anspannung der Achtelfinals in der Halle war mit einem Mal fort. Die hitzige Atmosphäre nahezu vorbei, geradezu Ruhe kehrte ein. Im Viertelfinale wartete Tim vom Olympischen SC als Gegner – seines Zeichens die Nummer 2 der Setzliste, deutlich höhere LivePZ als Konsti, zudem in der ganzen Saison ungeschlagener Spitzenspieler der Mannschaft, die gerade in herausragender Manier vor anderen großen Vereinen die Berliner Mannschaftsmeisterschaft gewonnen hat. Dazu ein (für dieses Alter) wahrer Aufschlagkünstler. Varianten- und schnittreich, mit exzellenter Spielübersicht. Konsti geriet auch sofort auf die Verliererstraße: 9-11 im ersten Satz, im zweiten lag er schnell 0-7 hinten, verlor am Ende 6-11. Im dritten Satz dann die Wende. Er kam jetzt besser mit den Aufschlagvarianten seines Gegenübers klar, riskierte viel mehr und griff viel aggressiver und mit mehr Tempo an. Es entwickelte sich ein heißer Fight. 11-9 der dritte Satz für Konsti, 11-6 sogar der vierte. Sein Gegner stellte im fünften Satz sein Spiel noch einmal um und versuchte durch geschickte Platzierungen Konstis geringe Körpergröße auszunutzen, um dann die offenen Räume auf dem Tisch mit schnellen Bällen zu Punktgewinnen zu bedienen. Konsti geriet schnell 1-5 in Rückstand. Bei diesem Spielstand Timeout, noch ein paar Tipps, und es wurde tatsächlich noch einmal spannend. 9-9, Konsti nun in der alles entscheidenden Phase einfach mit mehr Mut als sein Gegenüber. Eigener Aufschlag, danach direkter Angriff, zwei gut platzierte harte Vorhände und er stand im Halbfinale.
HALBFINALE: Kurze Pause: Es wurde umgebaut. Nur noch zwei Tische standen in zwei großen Boxen in der Halle für die Halbfinals. Zählgeräte wurden herbeigebracht. Schiedsrichter kamen an die Tische. Die Aufmerksamkeit der immer noch gut gefüllten Halle richtete sich fortan auf die beiden parallel stattfindenden Spiele. Konsti hatte eigentlich gehofft, dass er nun gegen Peter von der Hertha spielen könne. Beide kennen sich aus dem Verbandskader gut. Aber am Ende setzte sich ein weiteres Talent aus dem großen und starken Siemensstädter Nachwuchs im Viertelfinale äußerst knapp durch. Vor dem Spiel bekam Konsti noch Tipps von dem Betreuerteam aus Neukölln, die offenbar das Viertelfinale des Siemensstädters beobachtet hatten und in diesem Spiel dem (hinsichtlich der Körpergröße) kleinen David gegen den großen Goliath helfen wollten (sein Gegner war mindestens zweieinhalb Köpfe größer als Konsti). Die Satzfolge: 1-0, 1-1-, 2-1, 2-2, 3-2 für Konsti. 11-4 im fünften Satz. Konsti hatte auch in diesem Spiel gerade im letzten Satz mehr Mut, griff vor allem mit seiner Rückhand beherzter an und nutzte die wenigen Schwachstellen seines Gegners geschickt aus.
FINALE: Nun also das Finale gegen Theo, ebenfalls aus dem starken jungen Nachwuchs des TTC Neukölln, der an Nr. 1 im Turnier gesetzt war, sich bis zum Halbfinale völlig souverän durch das Turnier gespielt hatte und sein Halbfinale nach ebenfalls hartem Kampf und mit großer spielerischer Brillanz in 5 Sätzen gewonnen hatte. Konsti und Theo kennen sich aus dem Verbandskader bestens, sind dort enge Trainingspartner und haben in diesen Kontexten auch schon viele Matches gegeneinander gespielt. Die Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegenübers waren also bestens bekannt. Beim Zuschauen sah man zwei absolut gleichwertige Spieler, Konsti gewann den ersten Satz knapp mit 11-9, hatte in diesem Satz v. a. den nötigen Biss und die Konzentration in der knappen Endphase. Theo ließ aber nicht locker und holte sich den zweiten Satz klar mit 11-5. Im dritten Satz setzte Konsti die Tipps, die er in der Satzpause erhielt, konsequent um. Mit gezielterem Rückschlagspiel, sicheren Rückhanderöffnungen und tischnahem Angriffsspiel konnte er seinen Gegner vor allem über seine Rückhand immer öfter ausplatzieren und gewann 11-6. Im vierten Satz war die Marschrichtung klar: Nicht nachlassen, der taktischen Marschrichtung weiter folgen. Diesmal war Konsti mental stark genug, blieb in seinem Tunnel und bekam anders als im Achtelfinale keine Zitterhand, sondern spielte bis zum abermaligen 11-6 konsequent durch. Der Jubel im kleinen Hermsdorfer Team natürlich groß. Es folgten überaus faire Gratulationen und größtmögliche Anerkennung von beiden Seiten für beide Spieler.
BILANZ: Mit einem Turniersieg – zudem noch gleich im ersten Turnier dieser Serie – hatte niemand vorher auch nur ansatzweise rechnen können. Selbst das Viertelfinale und die Qualifikation schien noch viel zu weit weg. Mit seinen noch 9 Jahren gewinnt Konsti aber das U13-Turnier und qualifiziert sich für die Berliner Meisterschaft in dieser Altersklasse. Am Ende 8 Spiele, 8 Siege, davon 5 in der K.O.-Phase, Siege gegen die Nr. 2 und Nr. 1 der Setzliste, teilweise Nerven wie Drahtseile. Das klingt danach, als sei der Sieg am Ende sogar verdient.
Nach dem sieglosen Ausscheiden in der Gruppenphase an gleicher Stelle im letzten Jahr eine sicher beachtliche Leistungsentwicklung in nur einem Jahr. Als kleines Begleitgeschenk durchbricht Konsti damit erstmals die (im jungen Nachwuchsbereich bestehende) Schallmauer von 1000 LPZ-Punkten (ein riesiger Sprung zur Vorsaison).
Die Vorfreude richtet sich jetzt auf die Berliner Meisterschaften im Juni. Dort ist dabei sein dann erst einmal alles.

